Industrie 4.0 #MeinDigitalerWandel

Automatisierung oder Robotik – mit Industrie 4.0 ändern sich die Workflows. Jetzt entdecken und Ihr Unternehmen bereit für die Zukunft machen!



Insights

Optimierte Workflows

Wie Industrie 4.0 Unternehmensabläufe verbessert

Mithilfe der Digitalisierung werden bei Industrie 4.0 einzelne wiederkehrende Arbeitsschritte zu selbständigen Abfolgen vernetzt. IT-Systeme verknüpfen die separaten Schnittstellen miteinander und ermöglichen so einen effizienten und reibungslosen Ablauf der gesamten Wertschöpfungskette.

Von Lagerplätzen, die automatisch den Bestand durchgeben, über Produkte, die durchgängig ihren Herstellungsstatus melden, bis hin zu Maschinen, welche anzeigen, wann die nächste Wartung fällig ist, werden so Effizienzen gesteigert und Ressourcen eingespart. Eine konstant angestrebte Optimierung von Geschäftsprozessen gewinnt durch die starke Vernetzung branchenübergreifend für Unternehmen weiter an Relevanz.

In einer Zeit, in der Unternehmen flexibler auf Kundenbedürfnisse reagieren müssen, ist dies ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Da ein Produktions-Workflow meist einem wiederkehrenden Muster folgt, betrifft die Standardisierung sämtliche Geschäftsprozesse wie:

Geschäftsmodelle

Ganze Geschäftsmodelle, wie z. B. plattformbasierte Geschäftsmodelle, die das Internet als virtuellen Marktplatz nutzen, um Nachfrage und Angebot unterschiedlicher Anbieter und Nachfrager zusammen zu bringen.

Innovationsprozess

Den Innovationsprozess, durch die noch stärker an die individuellen Kundenanforderungen anpassbaren Gesamtlösungen.

Sales und Marketing

Sales und Marketing, die mit neuen Automatisierungstechniken im E-Commerce sowie Möglichkeiten, die inzwischen stark verzweigte Customer Journey detailliert nachzuverfolgen, aufwarten.

Auftragsabwicklung

Die Auftragsabwicklung, z. B. durch die technische Auftragsdokumentation der gewarteten Maschinen sowie Anlagen und schnelle Anpassungsmöglichkeiten an Auftragssituationen.

Produktion

Die Produktion, z. B. durch die Produktion von Stückzahlen der Losgröße 1, die Prozessautomation oder Predictive Maintenance.

Customer-Service

Den Customer-Service, durch eine starke Serviceorientierung der neu entwickelten Geschäftsmodelle sowie Smart Services wie die Kommunikation über Web-Dienste.

Durch die Schnittstellen laufen die einzelnen Schritte nicht mehr sukzessive hintereinander, sondern bereits simultan und der Kunde wird komplett integriert. Denn eine konstante Datensammlung schafft die Voraussetzung, die Vorgänge permanent zu messen und deren Performance zu steigern. Intelligente Supply Chains vernetzen alle beteiligten Stellen miteinander und informieren in Echtzeit über die verschiedenen Stadien des Produktionsprozesses. Über sogenannte Workflow-Management-Systeme laufen diese Prozesse automatisch ab: Sind zum Beispiel durch eine gesunkene Nachfrage kurzfristige Änderungen nötig, werden alle Beteiligten sofort informiert und die Produktion kann nahtlos angepasst werden. Kein Wunder also, dass die Prognosen hinsichtlich der durch die Industrie 4.0 zu erreichenden Prozessoptimierung – auch zwischen Mensch und Maschine – positiv ausfallen, wenn gleich auch die Herausforderung darin besteht, die Schnittstellen zwischen den Menschen und den Systemen zu optimieren und die Reibungsverluste zu minimieren.

Für tiefergehende Informationen empfehlen wir Ihnen die Teilnahme an unseren Seminaren und Weiterbildungen. Sichern Sie sich jetzt Ihren Wettbewerbsvorsprung mithilfe der TÜV SÜD Akademie. Unsere kompetenten Experten verhelfen Ihnen und Ihrem Unternehmen zur richtigen Strategie rund um die Arbeitsabläufe von Industrie 4.0.


wissenswert

Führung in Zeiten von Industrie 4.0

Stop, Keep, Start

Wie sieht eine zukunftsfähige Führung aus, wenn Digitalisierung und Industrie 4.0 Einzug halten? Zu den zentralen Kenngrößen zählen immer mehr auch die Lernbereitschaft und -fähigkeit von Führungskräften. Sie haben die Aufgabe, wirksam, integrierend und dabei selbstreflektierend zu agieren und ihren Führungsstil veränderten Rahmenbedingungen anzupassen. Die Methode STOP-KEEP-START unterstützt Führungskräfte in ihrem beruflichen Alltag durch eine einfache und zielorientierte Systematik.

Industrie 4.0 und Digitalisierung verändern zunehmend die Arbeitswelt. Unternehmen aller Branchen und Größen stehen vor der Herausforderung, ihre Strukturen, Prozesse und Ressourcen flexibel zu gestalten. Um damit verbundene Veränderungsprojekte erfolgreich im Unternehmen zu etablieren, benötigen Führungskräfte und Mitarbeiter ein hohes Maß an Entwicklungsbereitschaft, Lernfähigkeit und Zielorientierung. Dies gilt insbesondere für Führungskräfte, die als Aufgabe haben, ihre Mitarbeiter und sich selbst weiterzuentwickeln. Daher sind Führungs- und Lernmethoden gefragt, die sich schnell und einfach umsetzen lassen – wie etwa die STOP-KEEP-START-Methode. Ursprünglich als Feedbackmethode im Rahmen von Mitarbeitergesprächen konzipiert, eignet sie sich sowohl zur Selbstführung und Selbstreflexion als auch zur kontinuierlichen Weiterentwicklung von Mitarbeitern, Teams und Organisationen.



Die STOP-KEEP-START-Methode

• Im ersten Schritt, „STOP", wird gefragt: Welche Strukturen, Prozesse und Verhaltensweisen sind hinderlich und sollen verändert werden? Und wie sollte es stattdessen laufen?

• Unter dem Stichwort „KEEP" folgt eine Besinnung auf die eigenen Stärken und Ressourcen. Hier lauten die zentralen Fragen: Was bringe ich als Führungskraft, das Team oder der einzelne Mitarbeiter mit, um die Ziele zu erreichen? Welche Fähigkeiten sollten beibehalten bzw. ausgebaut werden? Das heißt: Welcher Entwicklungsbedarf besteht, um Ressourcen effektiv zu nutzen?

• Sind diese Fragen beantwortet, ist man gerüstet für die „START"-Phase. Der Übergang zur konkreten Umsetzung ist in der STOP-KEEP-START-Methode eine logische Folge aus den ersten beiden Schritten. Es geht vor allen Dingen um die Fragestellung: Welche konkreten Führungsmethoden und -tools sollte ich nutzen und wie agiere ich als Führungskraft, um nachhaltig wirksam zu sein?


 

Die Methode ermöglicht, eigene Ziele klarer zu definieren und umzusetzen sowie diese den Mitarbeitern sachlich, nachvollziehbar und motivierend zu vermitteln. Auch in der Selbstführung wirkt die Methode fördernd, indem sie einen gangbaren Weg zur Veränderung aufzeigt. „Wer als Führungskraft seine Mitarbeiter und sich selbst gut kennt, weiß wie er Potenziale nutzt und weiterentwickelt.", erklärt die Trainerin und Beraterin Cary Buraty. Als Trainerin der TÜV SÜD Akademie unterstützt sie Führungskräfte dabei, ihre Fähigkeiten optimal auszuloten und einzusetzen. Eine wesentliche Voraussetzung hierfür ist das Wissen um persönliche Veranlagungen und ihre Folgen. „Das fällt zum Beispiel auf, wenn Führungskräfte zu mir kommen mit dem Wunsch, extrovertiert zu werden – oder im Gegenteil, lernen wollen, sich besser in den Griff zu bekommen", berichtet Buraty. „Dabei wäre ich die Letzte, die versuchen würde, aus einem introvertierten einen extrovertierten Menschen zu machen oder andersherum. Es wäre garantiert erfolglos." Stattdessen zeigt sie ihren Klienten, wie sie die Gegebenheiten ihrer Persönlichkeit akzeptieren und den Fokus auf ihre Fähigkeiten und Ressourcen richten können. Introvertierte Menschen sind aufmerksame Zuhörer und laufen kaum jemals Gefahr, etwas Unbedachtes zu sagen. Extrovertierte sind zugänglich und gesellig, können andere leicht für ihre Ideen gewinnen. „Wenn ein Vorgesetzter sich zum Beispiel bewusst macht, dass er extrovertiert ist", so Buraty, „wenn er weiß, was das konkret bedeutet, und dass viele seiner Mitarbeiter ganz anders gestrickt sind, dann kann er in Zukunft wesentlich besser führen."

„Die STOP-KEEP-START-Methode ermöglicht effektive, handlungsorientierte Feedbackgespräche. Aber sie ist auch in vielen weiteren Bereichen einsetzbar, etwa wenn man hinderliche Führungsgewohnheiten ablegen will.", sagt Cary Buraty.

Beim Mitarbeiter kann eine offene, persönliche Auseinandersetzung über Stärken und Schwächen sowie Ziele, Chancen und Herausforderungen die Angst vor Veränderung reduzieren – insbesondere wenn Maßnahmen zur positiven Intervention, z. B. Weiterbildungen aufgezeigt und aktiv angeboten werden. Mitarbeiter lassen sich so ermutigen, häufiger von der Komfortzone in den Lernbereich zu wechseln und sich beständig weiterzuentwickeln. Führungskräfte können hierbei eine Vorbildrolle einnehmen, indem sie ihr eigenes Verhalten konstruktiv beleuchten und Schritt für Schritt optimieren.

Im „Kompaktseminar Führung von Mitarbeitern" der TÜV SÜD Akademie lernen angehende und erfahrene Führungskräfte, wie sie u. a. durch die Methode STOP-KEEP-START einen authentischen Führungsstil entwickeln, der sie befähigt, sich selbst und ihre Mitarbeiter erfolgreich in die digitale Zukunft zu führen.

 

Kompaktseminar Mitarbeiterführung bei der TÜV SÜD Akademie

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Wissenswert

Industrie 4.0: So klappt's mit der Umstellung

Die 7 größten Herausforderungen für den Mittelstand

Industrie 4.0 gewinnt an Bedeutung in allen Branchen. Gerade für den Mittelstand bietet die intelligente Vernetzung von Produktentwicklung, -fertigung, Logistik sowie Kundendaten große Chancen. Mit der Umstellung gilt es jedoch auch einige Herausforderungen zu überwinden. Welche das sind, zeigen wir Ihnen hier:

Hohe Investitionen

Viele Unternehmen scheuen den hohen Investitionsbedarf. Denn auch wenn die Umstellung auf Industrie 4.0 einen weiteren Meilenstein in der industriellen Geschichte darstellt und Wettbewerbsvorteile hinsichtlich Fertigungskosten, -flexibilität und Umsetzungsmöglichkeiten bringt, ist eine konkrete Wirtschaftlichkeitsrechnung bisher oft noch nicht vorhersehbar.

Strategische Positionierung

Neben dem hohen Investitionsbedarf ist im Unternehmen vorher eine übergreifende strategische Neuausrichtung erforderlich. Auch wenn fast alle Mittelständler der Industrie 4.0 eine hohe Bedeutung vorhersagen, wissen viele Unternehmen nicht, wo und wie sie die Umstrukturierung beginnen sollen, und setzen derzeit eher auf einzelne Prozessmodifizierungen. Hier ist es wichtig, vorab Prioritäten und unternehmerische Chancen festzulegen sowie zu analysieren, welche Fähigkeiten zur Erreichung der Ziele benötigt werden. So können gegebenenfalls direkt Kompetenzen zugekauft oder von einem Partner übernommen werden.

Qualifizierungsbedarf von Mitarbeitern

Gerade bei der Nachwuchsförderung müssen Grundlagen und Inhalte von Ausbildungsberufen oder Studiengängen in mathematischen, naturwissenschaftlichen und technischen Berufen auf die Anforderungen der Digitalisierung angepasst werden. Aber auch erfahrene Mitarbeiter müssen durch die Verschmelzung von bisher voneinander getrennten Bereichen wie IT, Fertigung und Entwicklung sowie dem Einsatz laufend neuer Technologien immer wieder neu und fortwährend qualifiziert werden. Laut einer Deloitte-Studie auf der Grundlage einer Befragung von 210 Experten und Unternehmensvertretern sowie 10 Fallstudien wird der Qualifizierungsbedarf von Mitarbeitern als stärkste Herausforderung in der Umstellung auf Industrie 4.0 gesehen.

Die TÜV SÜD Akademie ist Ihr Weiterbildungspartner in der digitalen Transformation. Informieren Sie sich jetzt über unser breites Angebot an Weiterbildungen im Bereich Industrie und Logistik 4.0.

Fehlende Standardisierung

Auch bei der Integration der einzelnen Systeme fehlt es an Lösungen: Bisher erfolgt die Verzahnung der Anwendersysteme nur vereinzelt nach bestimmten Produktionsabschnitten. Um in Echtzeit auf die notwendigen Daten aller beteiligten Bereiche zugreifen zu können, wird eine komplette Zusammenführung aller Schnittstellen und damit eine komplette Systemintegrierung nötig sein. Für eine erfolgreiche und kostenbewusste Verbindung sollten mittelständische Unternehmen gemeinsam Industrie- sowie IT-Standards auch auf internationaler Ebene definieren.

Sicherheit

Mit der zunehmenden Vernetzung der Produktionsprozesse wachsen auch die Herausforderungen in puncto Sicherheit. Sicherheitsaspekte müssen bereits bei der Gestaltung intelligenter Produktionsanlagen berücksichtigt werden. Bei dem Stichwort Safety geht es vor allem um einen physischen Arbeitsschutz, also eine Unfallvermeidung bei der Bedienung einer Maschine oder eines Produktionsprozesses. Im Gegensatz beschreibt der Begriff Security die Sicherheit von IT-Systemen. Denn auch vor Angriffen von außen, wie kriminellen Cyber-Attacken, müssen insbesondere die einzelnen Übergänge in einem kontinuierlichen Prozess geschützt werden.

Rechtliche Grundlagen für den Datenschutz

Wie im Bereich Smart Home werden auch bei der Smart Factory eine große Menge Daten verarbeitet. So muss der Datenschutz auch rechtlich an die neuen Herausforderungen bezüglich Zweckentfremdung sowie Haftung angepasst werden. Das Prinzip der Datensparsamkeit ist durch die notwendige Weitergabe der Daten an den nächsten Produktionsschritt dann nur noch selten realisierbar. Auch wenn die seit 25. Mai 2018 geltende europäische Datenschutzgrundverordnung (kurz DSGVO) erstmalig den Umgang von Unternehmen mit personenbezogenen Daten europaweit einheitlich regelt, bleibt eine vorherrschende Rechtsunsicherheit besonders im internationalen Bereich weiter bestehen.

Fehlende Basistechnologie

Je mehr die Vernetzung fortschreitet, umso größer werden die Datenmengen. Deren Übertragung verlangt eine gute Infrastruktur. Laut einer Studie der Managementberatung Horváth & Partners, der EBS Universität für Wirtschaft und Recht sowie der Deutschen Messe AG führen Mittelständler zwar bereits in der Nutzung von smarten Technologien und der Verfolgung von innovativen Ansätzen, dennoch halten viele Unternehmen ihre aktuelle IT-­Infrastruktur für unzureichend. Gerade Schlüsseltechnologien wie Cloud-Computing, Sicherheitslösungen und Big Data werden bislang nur von wenigen Unternehmen in ihrem vollen Potential eingesetzt.

Zusammenfassend können die zahlreichen Hindernisse nicht von den Unternehmen im Mittelstand einzeln bewältigt werden, sondern benötigen mehr Transparenz untereinander, einen branchenübergreifenden Erfahrungsaustausch sowie ein gemeinsames Bemühen mit Politik und Verbänden.

Mit den Weiterbildungsmöglichkeiten der TÜV SÜD Akademie haben Sie die Chance zum Vorreiter der vierten industriellen Revolution zu werden. Nutzen Sie unsere Seminare Industrie 4.0 - Digitalisierung, Innovationsmanagement und Führung und Logistik 4.0 mit führenden Experten und erwerben Sie ein umfangreiches Wissen zu den neuesten Entwicklungen und Trends der Industrie 4.0.


Interview

Experteninterview: 9 Fragen zu Industrie 4.0

Prof. Dr. Stefan Iskan zu Auswirkungen und Konsequenzen für mittelständische Unternehmen im Bereich Spedition und Logistik

© Dr. Stefan Iskan, https://www.iskan-advice.com/pressematerial/

Prof. Dr. Stefan Iskan zählt gegenwärtig zu den gefragtesten Management- und Change-Experten im Logistik- sowie Automobillogistik-Bereich. Er berät Konzerne und Mittelständler unter anderem in Fragen der Industrialisierung und Digitalisierung. Weiter hat Prof. Dr. Stefan Iskan die Professur für Logistik und Wirtschaftsinformatik, insbes. Automotive SCM und Digitalisierung, an der Hochschule Ludwigshafen am Rhein inne.

Im Interview mit TÜV SÜD äußert sich Prof. Dr. Stefan Iskan über Ansätze, Transformationen und Auswirkungen der vierten industriellen Revolution in diesem Bereich und spricht Klartext, welche Herausforderungen es noch zu bewältigen gilt.

TÜV SÜD: Herr Iskan, Sie beraten Konzerne und Mittelständler unter anderem zum Thema Industrialisierung und Digitalisierung. Gerade Mittelständler und inhabergeführte Unternehmen im Kontraktlogistik- und Speditionsbereich gehören zu Ihrem Spezialgebiet. Was bedeutet Industrie 4.0 für diese und wie werden sich einzelne Bereiche in diesem Segment verändern?

Prof. Dr. Stefan Iskan: „Die optimale Spedition 4.0 wird es nicht geben. Doch es gibt Bausteine, um sich individuell einem Zielbild zu nähern. In meinen Augen müssen Speditionen oder Dienstleister erkennen, dass sie zu ‚IT-Buden‘ werden müssen. Und damit meine ich nicht nur IT-Administration, sondern den Aufbau eigener Entwickler und Lösungen. 

Eine Spedition 4.0 begreift die IT als Schlüsselressource und verankert sie als strategische Einheit direkt auf der Ebene der Geschäftsleitung. Prozesse von der Auftragserfassung, über die Tender-Simulation bis hin zur Disposition und Abrechnung sind – wo möglich und sinnvoll – maximal automatisiert. Die Rolle des Fahrpersonals wird neu justiert. Der Fahrer wird in den Wertschöpfungsprozess eingebunden und erfährt dadurch eine Aufwertung und Wertschätzung, die schon länger überfällig ist. Die End-to-End-Prozessorganisation deckt sämtliche Facetten der Aufbau- und Ablauforganisation einer Spedition ab. Darin eingeschlossen ist auch die Kunden- und Partnerinteraktion, die strukturelle wie auch technische Perspektive.

Durch die Automatisierung werden Firmen in der Prozessorganisation nicht Mitarbeiter ‚los‘, sondern bekommen Mitarbeiter ‚frei‘, die für neues Wachstum benötigt werden. Denn allein der Engpassfaktor ‚Mensch‘ in den Bereichen Fahrer, Staplerfahrer, Hallenleiter und auch Disponenten etc. begrenzt heute das Wachstum vieler Unternehmen in der Praxis. Die vernetzte und automatisierte End-to-End-Prozessorganisation liefert eine Antwort hierauf.“ 

Wo stehen wir aktuell? Nach wie vor bei der Vision oder schon bei der Realisierung? Und wie steht Deutschland im weltweiten Vergleich bei Industrie 4.0 da?

„Mit Blick auf die Digitalisierung und Industrie 4.0 wird von vielen so getan, als wäre die Logistik und Transportwelt nicht digital. Diese Aussage ist in meinen Augen so nicht haltbar. Gerade in der stationären, immobilien-gestützten Kontraktlogistik reden wir nicht von einer Industrie 4.0, sondern eher von neuen Technologien, die hier Einzug finden – beispielhaft sind Konzepte wie die Ware-zum-Mann-Kommissionierung, Datenbrillen etc. Eine Industrie 4.0 wäre dann gegeben, wenn die Supply Chain Partner und deren Waren sowie Ladungsträger völlig und auch über die Immobilien-, Länder- und Fabrikgrenzen hinaus miteinander vernetzt wäre. Da sind wir aber noch eine Strecke von entfernt. 

Denn die Frage nach dem ‚Vertrauen und Transparenz wollen‘ zwischen den Supply Chain Partnern ist noch immer nicht gelöst. Wir sind in Deutschland sehr stark in der Bildung von Arbeitsgruppen und Ausschüssen. Der Drang nach Standards ist groß. Doch was ist die Praxis? Jedes Industrie-Unternehmen kreiert gerade selbst seine eigene Industrie-4.0-Blaupause. Die Folge? Wir machen so weiter wie in den letzten 20 bis 30 Jahren: Jeder macht sein eigenes Ding – und das zu Lasten der Supply Chain Partner und Spediteure.

Eine sich entwickelnde Industrie 4.0 zieht in unseren Augen Fragestellungen mit Transformationsprozessen in neun Dimensionen nach sich: Kundenerwartungen, Prozesse, Geschäftsmodelle, Aufbau- und Ablauforganisation, Wertschöpfungspartnerschaften, Technologien, Unternehmenskultur, Berufsprofile und Beschäftigung sowie gesellschaftspolitische Verantwortung.“

Wir verspüren noch eine generelle Unsicherheit bei Unternehmen, würden Sie das auch so bewerten und was sind die häufigsten Missverständnisse, wenn es um Industrie 4.0 geht?

„Digitalisierung sollte sich nicht allein auf die Technik-Frage beschränken, sondern als Grundlage für neue bzw. erweiterte Geschäftsmodelle betrachtet werden. Die in Deutschland geführte Industrie-4.0-Debatte ist für mich typisch deutsch. Wir werden immer mehr zu ‚Kostenschraubern‘ statt zu Visionären. Die ganze Debatte ist aus meinem Blickfeld heraus zu stark auf operative Produktion, Logistik und Technologie fokussiert.

Wir müssen Industrie 4.0 in den Unternehmen deutlich breiter denken und anpacken. Sämtliche Industrie 4.0 und damit einhergehenden IT-Bemühungen in den Unternehmen dürften vergebens sein, wenn nicht gleichzeitig die Organisationsstrukturen und -prozesse radikal umgebaut werden. Die betrieblichen Minenfelder anzupacken ist extrem unbequem, doch letztlich alternativlos.“

Was glauben Sie, ist das Wichtigste, das Ihre Kunden tun können, um sich für Industrie 4.0 erfolgreich aufzustellen? Und wie geht man so einen Erneuerungsprozess am besten an?

„Der erste Schritt beginnt mit dem Erkennen des eigenen Handlungsmoments auf der Chef-Etage. Unternehmen scheitern in Erneuerungsprozessen genauso wie in Change-Prozessen an der in meinen Augen oftmals unzulänglichen Vorbereitungsphase. Allein die Projekt-Vorbereitung für sich ist schon ein Projekt. Da werden in den strategisch wichtigsten Projekten die Ressourcen eingeplant, die gerade freie Kapazitäten haben. Aber genau die Besten und Zukunftsträger von Morgen gehören in solche Projekte. Menschen, die für Veränderungsbereitschaft stehen und als informelle Multiplikatoren in den Betrieben fungieren können. 

Der erste Schritt ist also zu erkennen, aktiv werden zu müssen, und dann eine saubere, wasserdichte Change-Erneuerungs-Story zu entwickeln und die gesamte Organisation in den Veränderungsprozess einzubinden. Leider wird genau an dieser Stelle gespart.“

Sehen Sie derzeit einen Vorreiter in Sachen Industrie 4.0, an dem sich Unternehmen orientieren können bzw. wie schaffen es Dienstleister, sich bereits heute den morgigen Anforderungen der Kunden anzunähern?

„Ein wichtiger Aspekt ist für mich zu erkennen, dass die vermeintlich großen Konzern-Logistiker vor ähnlichen Herausforderungen stehen wie die mittelständischen Speditionen. Großkonzerne kaschieren nur geschickt ihre IT-relevanten Problemstellungen, indem sie mit ‚großen‘ Marketingmeldungen von ihren Kernproblemen in der IT mitunter ablenken. Logistik-Konzerne sind häufig zusammengekaufte Mittelständler, die in der Vergangenheit versäumt haben, ihre IT-Systeme zu harmonisieren. Das gilt im Übrigen genauso für die Groß-Konzern-Verlader aus der Industrie. Heute stehen sie vor der regelrechten Mammutaufgabe, genau diese Systeme zusammen zu führen. Das sind Altlasten aus der Vergangenheit, die heute zu einem hohen Risikospiel geworden sind.

Von daher bei allem Respekt: die Komplexität in mittelständischen Speditionen dürfte sich überschaubarer gestalten. Von daher liegen hier heute auch, unter Berücksichtigung der Kostenstrukturen von IT, Möglichkeiten für den Mittelstand, technologisch in der Frage der ‚Digitalisierung‘ mitzuhalten.“

Industrie 4.0 stellt an die Beschäftigten neue Herausforderungen. Wer muss diesen Wandel steuern ­– die Betriebe, die Tarifpartner, der Gesetzgeber?

„Alle beteiligten Partner sind gefordert. Die Herausforderung jedoch ist: Wie schafft man Erneuerung und Change in einer Gesellschaft oder in einem Unternehmen, das unter sozialverträglichen Gesichtspunkten, z. B. durch einen hohen Altersdurchschnitt, gesättigt ist? Die Unternehmen haben eine soziale Verantwortung gegenüber den Menschen. Es geht nicht um ersetzen, sondern um ein ausgewogenes Miteinander von Technologie und Mensch. Es geht um Arbeitserleichterung." 

Die Qualifizierung von Mitarbeitern sehen viele Firmen als größte Herausforderung für die erfolgreiche Implementierung von Industrie 4.0, während sich die Angestellten selbst um ihre Arbeitsplätze fürchten: Wie können Mitarbeiter auf die neuen Anforderungen vorbereitet werden?

„In meinen Augen kommt dem Aspekt des informellen Lernens eine enorme Bedeutung zu: einem Lernprozess, der ohne eine Systematisierung der HR-Abteilung abläuft. Nämlich am Arbeitsplatz. Technologien und Rahmenbedingungen ändern sich heute so schnell, dass ja selbst nicht einmal mehr SAP-Berater nachkommen. Von daher müssen wir uns um Ansätze bemühen, die Lernen in der Arbeit und am Arbeitsplatz strukturieren.“

Vielen Dank, Herr Iskan, für das Interview!

 


 

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