Edle Tropfen
Artikel aus dem TÜV SÜD Journal 4/2010
![]() | Klimaneutral, sauber, nachhaltig und wirtschaftlich – das klingt nach der Quadratur des Kreises. Dass so die Energieversorgung der Zukunft aussehen kann, beweist die Firma CHOREN Industries. Dank ihrer Verfahrenstechnologie wird aus Biomasse wertvoller Kraftstoff. |
Rund 65.000 Tonnen Holzhackschnitzel, 584 Komponenten zur Synthesegasherstellung, 127 Druckbehälter, komplexe chemische Prozesse – so lautet das Erfolgsrezept, mit dem CHOREN Industries im sächsischen Freiberg die Energieversorgung der Zukunft realisieren möchte. Das Unternehmen ist spezialisiert auf die Vergasung von Biomasse und hat das weltweit einzigartige Carbo-V-Verfahren entwickelt: Feste Biomasse wird in ein teerfreies Brenn- oder Synthesegas umgewandelt, das wiederum die Basis für grünen Strom, biogene chemische Stoffe oder Biokraftstoffe bildet.
»Der bei uns so produzierte SUNDIESEL kommt einem idealen Kraftstoff sehr nah. Er kann in herkömmlichen Dieselmotoren ohne Umrüstung verwendet werden, verbrennt rußfrei und zeichnet sich durch ein verbessertes Zündverhalten aus«, erklärt Olaf Schulze, technischer Geschäftsführer von CHOREN Industries. Im Vergleich zu fossilen Energieträgern stößt der Diesel aus Biomasse 30 bis 50 Prozent weniger Schadstoffe aus. Biomass-to-Liquid, kurz BtL, heißen solch flüssige Kraftstoffe aus Feststoffen.
Aus fest wird flüssig
Grundlage für SunDiesel bildet Holz aus sächsischen Wäldern. Biokraftstoffe waren in den vergangenen Jahren etwas in Verruf geraten, da Energiepflanzen wie Zuckerrüben oder Mais auch zur Lebensmittelproduktion verwendet werden – es entstehen Nutzungskonkurrenzen. Bei den Powerstoffen der neuen Generation ist dies nicht der Fall. »Biomasse ist ausreichend vorhanden«, so Schulze. Für die Produktion werden Restholz oder schnell wachsende Bäume wie Weiden oder Pappeln genutzt. In weiteren Ausbaustufen sollen auch sogenannte biogene Reststoffe wie Stroh verarbeitet werden. 20 bis 40 Prozent des Kraftstoffbedarfs in der EU könnten mit Biomasse gedeckt werden, so der CHOREN-Mann.
Der Produktionsprozess läuft dann folgendermaßen: Die Biomasse erreicht das Betriebsgelände in Hackschnitzel zerkleinert und wird dort in Tiefbunker entladen. Metalle und Steine werden abgeschieden, nasses Holz wird mit Abwärme, die sich aus dem Produktionsprozess ableitet, getrocknet. Danach wird es bis zur Herstellung in Silos zwischengelagert. Im Carbo-V-Verfahren wird dann in einem dreistufigen Prozess ein hochreines, teerfreies und methanarmes Gas erzeugt.
Vom Pilotmaßstab zur Industrieanlage
Dass die Anlage im sächsischen Freiberg steht, kommt nicht von ungefähr: In dem Bergbau- und Technologiestandort haben Methoden zur Kohleveredelung seit den 60er-Jahren Tradition. Dieses Know-how nutzen die Ingenieure von CHOREN. Bereits von 1998 bis 2006 betrieb das Unternehmen eine Pilotanlage. Gegenwärtig wird die sogenannte »Beta-Anlage« als Demons-trationsanlage hochgefahren. Nach erfolgreichem Testbetrieb der Synthesegaserzeugung wird die Fischer-Tropsch-Synthese in Betrieb genommen, mit der das Gas in Kohlenwasserstoffe umgewandelt wird. »Bei dieser kommerziellen Anlage rechnen wir mit einer Jahresproduktion von 18 Millionen Litern BtL«, sagt Schulze. »Das ist noch nicht besonders viel, denn unsere Kunden denken in Leistungseinheiten, die sich mit Kohle- und Raffineriewerken messen lassen. CHOREN wird ihnen dafür die Technologien und umfangreiche Engineeringdienstleistungen liefern.«
Beim Herstellungsprozess selbst entsteht immenser Druck, auch hochexplosive Gase entwickeln sich in chemisch geschlossenen Prozessen. »Der Faktor Sicherheit spielt bei einer Anlage mit einer derart innovativen Technologie eine entscheidende Rolle«, so Schulze. Seit Jahren setzt CHOREN Industries daher auf die Expertise von TÜV SÜD Industrie Service – bei der Zertifizierung von Dampfkesseln und Druckbehältern, bei Überprüfungen der Anlage nach der Betriebssicherheitsverordnung, in Fragen der Arbeitssicherheit sowie als beratender Prozesspartner bei der Entwicklung der Anlage, den Testläufen und der Abnahme. Vom Potenzial der regenerativen Energie ist Schulze überzeugt: »Wir forschen hier an einem Riesenthema, der Energiebasis für künftige Generationen.«
*Die Marken SUNDIESEL und SUNDIESEL-Logo sind eingetragene Marken der Volkswagen Aktiengesellschaft in der Europäischen Union und anderen Ländern und werden unter Lizenz des Markeninhabers Volkswagen Aktiengesellschaft benutzt.


