Forschung vorantreiben, Bildung fördern
Artikel aus dem TÜV SÜD Journal 3/2010
| Seit rund einem halben Jahr unterstützt die neue TÜV SÜD Stiftung Schulen und Hochschulen bei ihren Lehrangeboten in Naturwissenschaft und Technik. Die ersten Förderprojekte haben ein gemeinsames Ziel: mehr junge Menschen in Ingenieurberufe zu bringen. |
Es leuchtet!« Die Viertklässler der Grundschule im hessischen Steinbach sind begeistert. Auf einem DIN-A4-großen Holzbrettchen hat jeder Schüler in den vergangenen 20 Minuten einen kleinen Stromkreis aufgebaut – aus Reißnägeln, Draht, Widerständen, einer LED-Lampe und einer Neun-Volt-Batterie. Nun testen die Neun- und Zehnjährigen interessiert, welche Gegenstände den Strom leiten: ein Haar der Mitschülerin? Nein. Aber eine Schere, eine Cent-Münze und ein Schlüssel. Sogar der Schinken eines Pausenbrots wird getestet. Die Stunde endet mit einem Höhepunkt: Alle Kinder halten sich im Dunkeln an den Händen und schließen als Klasse gemeinsam den Stromkreis – und die LED leuchtet.
Kinder bereits im Grundschulalter für Technik zu begeistern – das ist das Ziel von TÜV Kids, einer Initiative von TÜV Hessen. Die Tochtergesellschaft von TÜV SÜD bietet den mehr als tausend Grundschulen in Hessen dafür seit rund drei Jahren ein besonderes Bildungsangebot: Studenten besuchen auf Wunsch kostenlos alle vierten Klassen und bringen den Kindern technische Zusammenhänge aus den Bereichen Elektrizität, Druck oder Mechanik näher.
Gründungsgedanke des TÜV SÜD e.V. weiterentwickelt
Nun kommt die mehrfach preisgekrönte Initiative auch in andere Bundesländer. TÜV Kids ist nämlich eines der ersten drei Förderprojekte der neuen TÜV SÜD Stiftung. Die Idee, Jungen und Mädchen frühzeitig für Technik zu interessieren, überzeugte das Kuratorium auf Anhieb. »Es ist so leicht, bei jungen Menschen Begeisterung zu wecken – solange dies altersgerecht und spielerisch erfolgt«, sagt der Vorstandsvorsitzende der TÜV SÜD Stiftung, Dr. Ernst Schön. »Wir wollen damit unseren Beitrag dazu leisten, dass Kinder und Jugendliche sich für Naturwissenschaften interessieren. Langfristig hoffen wir, dass es durch solche Initiativen künftig wieder mehr Studienanfänger in Ingenieurwissenschaften oder Mathematik gibt.« Das Projekt läuft zusammen mit der Scheubeck-Jansen Stiftung und ist im ersten Schritt auf Ostbayern beschränkt, eine Ausweitung auf andere Regionen ist geplant.
Projekte wie TÜV Kids passen genau ins Förderprogramm der TÜV SÜD Stiftung. Der Vorsitzende des Verwaltungsrats des TÜV SÜD e.V., Prof. Dr. Ernst Schadow, erläutert, warum: »Wir wollen den Gründungsgedanken des TÜV SÜD e.V. konsequent weiterentwickeln – nämlich die technische Sicherheit auf allen Gebieten zu fördern. Und um diesen Gründungsgedanken auch in die Tat umzusetzen, brauchen wir Ingenieure und Naturwissenschaftler, also Menschen, die sich für Technik im engeren und weiteren Sinne interessieren.«
Von dieser Idee sind auch zwei weitere Projekte getragen, die von der TÜV SÜD Stiftung finanziell unterstützt werden: So werden an der Hochschule Mannheim innovative Lehrmethoden gefördert. Die Idee: Statt an der Tafel und mit dem Rücken zu den Studenten sitzt der Hochschullehrer an einem Tablet-PC. Der mit einem speziellen Stift auf den Bildschirm geschriebene Text wird per Beamer an die Wand projiziert. Die Aufzeichnungen der Vorlesung werden dann als PDF-Dokumente gespeichert und per WLAN in eine spezielle Lehr- und Lernplattform eingespeist. Den Studenten steht so eine perfekte Mitschrift zur Verfügung, und sie können sich besser auf die Vorlesung konzentrieren. Die Initiatoren des Projekts hoffen, dass außerdem die Interaktion zwischen dem Dozenten und den Studenten verbessert wird – damit mehr Ingenieurstudenten ihr Studium erfolgreich beenden.
An fortgeschrittene Studenten und Nachwuchswissenschaftler wendet sich die TÜV SÜD Stiftung Visiting Professorship der Technischen Universität München. Dieses Gastprofessorenprogramm ermöglicht es der Universität, bekannte Wissenschaftler nach München einzuladen. Erster TÜV SÜD Stiftung Visiting Professor ist Prof. Steven Glaser von der University of California in Berkeley – ein ausgewiesener Experte auf dem Gebiet der Erdbebenanalyse und der Seismologie. Er wird angehende Bauingenieure Ende Juli in einem fünftägigen Workshop in die Thematik der »Seismologie als zerstörungsfreie Prüfung« einführen.
Stiftungsvorstand Dr. Ernst Schön ist von den ersten Projekten überzeugt: »Wir haben uns viel vorgenommen. Und ich bin mir sicher, dass wir im Laufe des Jahres noch das eine oder andere Projekt initiieren werden.«

