5 Fragen zur Unabhängigkeit von TÜV SÜD
Welche Rolle spielt TÜV SÜD bei der Überprüfung von Kraftwerken?
Ob Windkraft, Solarenergie, Gas- oder Kernkraftwerk – TÜV SÜD sorgt bei jeder Art der Energieerzeugung für Sicherheit und Zuverlässigkeit! Denn unser Unternehmenszweck ist es generell „Mensch, Umwelt und Sachgüter vor den nachteiligen Auswirkungen der Technik zu bewahren" – und zwar seit 1866.
Wer beauftragt und bezahlt TÜV SÜD, wenn Kernkraftwerke in Deutschland überprüft werden?
Die unabhängige Kontrolle von Kernkraftwerken in Deutschland ist Aufgabe der kerntechnischen Aufsichtsbehörden. In der Regel sind das die Umweltministerien der Bundesländer, in denen Kernkraftwerke betrieben werden. Die Aufsichtsbehörden – und nicht die Kraftwerksbetreiber bzw. die Energieversorgungsunternehmen – beauftragen Sachverständigenorganisationen wie TÜV SÜD mit der Durchführung von Prüfungen und sicherheitstechnischen Bewertungen. Die Sachverständigenorganisationen, ihre Arbeit und ihre Unabhängigkeit unterliegen dabei der kontinuierlichen Kontrolle der Aufsichtsbehörden.
Wer sind Anteilseigner von TÜV SÜD? Halten Energiekonzerne Anteile an TÜV SÜD?
Die TÜV SÜD AG ist nicht an der Börse notiert und nicht von kurzfristigen, nur auf Gewinnmaximierung ausgerichteten Shareholder-Interessen abhängig. Die Anteile an der TÜV SÜD AG werden zu 74,9 Prozent vom TÜV SÜD e.V. und zu 25,1 Prozent von der gemeinnützigen TÜV SÜD Stiftung gehalten.
Der TÜV SÜD e.V. hat rund 13.000 Mitglieder, zu denen natürliche Personen und Unternehmen aller Branchen und aller Größenordnungen gehören. Alle Vereinsmitglieder haben in der Mitgliederversammlung einen Sitz und eine Stimme.
Zu den Mitgliedern des TÜV SÜD e.V. zählen auch Energieversorgungsunternehmen mit ihren Tochtergesellschaften – große Energieversorger ebenso wie Stadtwerke oder Hersteller und Betreiber von Anlagen für regenerative Energieerzeugung. In der Mitgliederversammlung von TÜV SÜD e.V. haben die großen Energieversorger, die in Deutschland auch Kernkraftwerke betreiben, zusammen mit ihren Töchtern nur ein Dutzend der 13.000 Stimmen.
Welchen Einfluss haben denn die 13.000 Mitglieder von TÜV SÜD e.V. auf das Tagesgeschäft von TÜV SÜD?
Keinen! Denn eine Einflussnahme der Mitglieder des TÜV SÜD e.V. auf die operativen Geschäftstätigkeiten der TÜV SÜD AG ist durch die gesellschaftsrechtliche Struktur schon aus rechtlichen Gründen nicht möglich. Die Stimmrechte in der Hauptversammlung der TÜV SÜD AG werden vom TÜV SÜD Gesellschafterausschuss ausgeübt, dem Vertreter von TÜV SÜD e.V. und TÜV SÜD Stiftung angehören. Energieunternehmen sind im Gesellschafterausschuss nicht vertreten.
Die einzelnen Mitglieder des TÜV SÜD e.V. haben kein Kapital in den TÜV SÜD e.V. oder in die TÜV SÜD AG eingebracht. Sie sind auch nicht am Vermögen des TÜV SÜD e.V. beteiligt, halten keine Anteile an der TÜV SÜD AG und erhalten auch keine Dividenden oder Ausschüttungen. Die Gewinne verbleiben bei der TÜV SÜD AG und werden dort reinvestiert und zur Bedienung von bzw. Vorsorge für Pensionsverpflichtungen verwendet. Ein weiterer Teil fließt der gemeinnützigen TÜV SÜD Stiftung zu, die vor allem Projekte initiiert und unterstützt, die junge Menschen für Technik begeistern sollen.
Warum gibt es dann überhaupt den e.V., wenn er im Tagesgeschäft keinen Einfluss ausübt?
Nicht zuletzt aus historischen Gründen. Die Vorgänger des heutigen TÜV SÜD wurden im 19. Jahrhundert, also im Zeitalter der Industrialisierung, als Verein gegründet. Damals kam es immer öfter zu verheerenden Explosionen von Dampfkesseln. Engagierte Fabrikbesitzer gründeten deshalb Dampfkessel-Revisions-Vereine – und zwar jeweils in den industriellen Ballungszentren in Baden, Württemberg, Bayern, Hessen und Sachsen. Aus diesen Vereinen sind die Technischen Überwachungsvereine hervorgegangen.
Der erste Dampfkessel-Revisions-Verein von 1866 setzte es sich zum Ziel, „Mensch, Umwelt und Sachgüter vor den nachteiligen Auswirkungen der Technik zu bewahren". Dieses Ziel ist auch heute noch in den Statuten des TÜV SÜD e.V. verankert. Auch bei Prüfungen und Begutachtungen von Kernkraftwerken durch unsere Mitarbeiter stehen die Sicherheit der Anlagen, der Schutz der Umwelt und das Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung im Vordergrund.
In den vergangenen 145 Jahren hat TÜV SÜD seine Arbeitsfelder parallel zum technischen Fortschritt kontinuierlich ausgeweitet – zum Beispiel auf Kraftfahrzeuge, Brandschutz, Personenaufzüge, Umweltschutz, Produktsicherheit und aktuell auf Anlagen für Windkraft und Solarenergie.

