Vor 150 Jahren: Beginn der technischen Sicherheit in Deutschland

Von Heidi Atzler

München. Im Januar 1865 erschütterte eine schwere Dampfkessel-Explosion in der Aktienbrauerei die Stadt Mannheim. Das Unglück mit einem Toten und vier Verletzten veranlasste 22 Dampfkesselbetreiber, eine Organisation ins Leben zu rufen, die für mehr Sicherheit an den technischen Anlagen sorgen sollte: Am 6. Januar 1866 gründeten sie die „Gesellschaft zur Ueberwachung und Versicherung von Dampfkesseln mit dem Sitze in Mannheim“, die Vorläuferorganisation des heutigen TÜV SÜD. Die Idee einer unabhängigen und neutralen Prüforganisation hat sich in den darauf folgenden 150 Jahren weltweit durchgesetzt. Heute ist TÜV SÜD mit über 22.600 Mitarbeitern auf der ganzen Welt aktiv – und dabei immer noch seinen Wurzeln treu: Mit hohem Sachverstand werden Technologien und Produkte geprüft, damit sie zuverlässig, sicher und nachhaltig sind.

Die Explosion in Mannheim war direkter Auslöser für die Gründung des Dampfkessel-Revisionsvereins. Aber die Idee keimte schon vorher. Mit der zunehmenden Industrialisierung Mitte des 19. Jahrhunderts forderten immer häufiger schwere Dampfkesselexplosionen viele Todesopfer, verursachten hohe Schäden an Gebäuden und Anlagen und machten Angst vor neuen Technologien. Technischer Fortschritt und der Wunsch nach Sicherheit und Schutz – diese beiden Anforderungen miteinander in Einklang zu bringen wurde zu einem gesellschaftlichen Bedürfnis. Mangels anderweitiger Regelungen sahen sich die Kesselbetreiber selber in der Verantwortung: Am 6. Januar 1866 war die Geburtsstunde des Dampfkessel-Revisionsvereins in Mannheim. Ziel und Zweck des Vereins war es, Menschen, Sachgüter und Umwelt vor den schädlichen Auswirkungen der Technik zu schützen. So lautet der Auftrag des Unternehmens noch heute – rund um den Globus.

Eine Idee setzt sich durch

Schnell wurde die neue Organisation nach 1866 als staatsentlastend anerkannt. Und schnell zeigten sich auch Erfolge bezüglich der Sicherheit: Kontrollierte Kessel waren zwanzigmal sicherer als nicht kontrollierte Kessel. Die umfassenden Kenntnisse der Prüfer und deren ganzheitlicher Blick auch hinsichtlich wirtschaftlichen Betriebs und Schulung der Kesselwärter führten zu einer hohen Akzeptanz in der Industrie. Die stark steigende Zahl installierter Dampfkessel führte zu immer mehr Vereinsmitgliedern und immer mehr Sachverständigen, die die Anlagen prüften. Innerhalb von zehn Jahren wurden rund zwanzig Dampfkesselüberwachungsvereine in ganz Deutschland gegründet. Bald befasste sich der Verein in Baden neben den Dampferzeugern auch mit Druckbehältern und spezialisierte sich auf Fragen der Werkstoff- und Schweißtechnik. Sogar ein erstes Umweltschutz-Gutachten zum Thema „Rauchgasbelästigung“ erstellten die Ingenieure bereits 1870. Die Vorläuferorganisation des heutigen TÜV SÜD kann auch als Geburtshelfer der Industriegesellschaft gesehen werden: Das Unternehmen entwickelte Vorgaben und Standards für ein höheres Sicherheitsniveau, überall da, wo der Bedarf groß war.

Prüfspektrum wird ausgeweitet

Nach der Jahrhundertwende erschloss sich der Verein das weite Feld der Elektrotechnik und der Fördertechnik. Dazu kamen schnell erste sicherheitstechnische Prüfungen von Fernleitungen, Lagertanks, Versammlungsstätten und Seilbahnen hinzu. Weiterer Meilenstein in der TÜV-Geschichte: 1906 gründete der Mannheimer Dampfkessel-Revisionsverein eine Spezialabteilung zur Prüfung von Fahrzeugen und deren Führern. So wurde der Grundstein für die regelmäßigen Fahrzeugprüfung in Süddeutschland auch in Mannheim gelegt. Dem erweiterten Prüfspektrum wurde später mit der offiziellen Umbenennung in Technischer Überwachungs-Verein (TÜV) Rechnung getragen.

Neue Themen, neue Länder

Den Wirtschaftsaufschwung nach dem zweiten Weltkrieg gestalteten die Technischen Überwachungsvereine aktiv mit, zum Beispiel der damalige TÜV Bayern: Konsequent wandte er sich der Prüfung kompletter Raffinerien zu und stieg in die Kunststofftechnik ein. Um die Sicherheit jedes Einzelnen zu erhöhen, begannen die Ingenieure zudem mit Baumusterprüfungen von Geräten für Heim, Freizeit und Büro. Seit den 1970er und 1980er Jahren erweiterte sich die Palette der Prüfleistungen um Computer- und Mikroprozessor-Technik, den Datenschutz und den Schutz des Menschen am Arbeitsplatz. Zudem forschten und berieten die Ingenieure auch auf den Gebieten der Energieeinsparung sowie der Nutzung alternativer Energien und des Umweltschutzes. Neue Felder wie E-Business, Lebensmittelsicherheit, Medizintechnik und Fahrzeugentwicklung runden seitdem das Spektrum ab. Zunehmend begleiteten die TÜV-Ingenieure ihre Kunden auch nach Übersee, insbesondere anfangs nach Nordamerika und Asien.

Durch die zunehmende Liberalisierung der Märkte und damit einhergehende Fusionen verschiedener TÜV-Organisationen entstand der heutige TÜV SÜD. Aktuell ist das Unternehmen an 800 Standorten weltweit vertreten. Über 50 Prozent der Mitarbeiter arbeiten außerhalb Deutschlands.

Wegbereiter neuer Technologien

Heutzutage prüfen, testen und zertifizieren die TÜV SÜD-Experten nicht nur Produkte, sondern beraten auch Menschen und Organisationen. Dies bedeutet, stetig auf neue Entwicklungen, neue Trends, aber auch auf neue Gefahren, neue Sicherheitsbedürfnisse und neue wirtschaftliche Herausforderungen zu reagieren. TÜV SÜD entwickelt neue Produkte und Dienstleistungen mit dem Ziel, „Mehr Sicherheit. Mehr Wert“ für seine Kunden zu schaffen. Während früher in erster Linie Dampfkessel und technische Anlagen überprüft wurden, stehen heute immer häufiger Themen wie Prozesssicherheit, Lebensmittel, Datenschutz und Datensicherheit sowie komplexe IT-Infrastrukturen im Mittelpunkt.

Das verlangt nach hochqualifizierten Mitarbeitern: Über 80 Prozent der TÜV SÜD-Mitarbeiter sind Akademiker – häufig noch mit zusätzlicher Sachverständigenausbildung. Neben vielen Ingenieuren zum Beispiel auch Chemiker, Physiker, Informatiker, Ökotrophologen oder Psychologen – und der Bedarf wächst: Seit 2005 hat TÜV SÜD nahezu jedes Jahr rund 1.000 neue Stellen im Unternehmen geschaffen.

Weitere Infos unter www.tuev-sued.de


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